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1. Bachchor-Konzert 14/15

So 19. Oktober 2014 | 19.00 Uhr | Peterskirche Heidelberg

Felix Mendelssohn Bartholdy: Elias Op. 40 (MWV A25)

Sopran: Regine Sturm
Alt: Nicole Pieper
Tenor: Christian Zenker
Bass: Johannes Martin Kränzle
Ein Knabe von der Würzburger Dommusik

Bachchor Heidelberg
Philharmonisches Orchester Heidelberg
Musikalische Leitung: Christian Kabitz


„Stark, eifrig, auch böse, zornig und finster“ - so stellte sich Mendelssohn seinen alttestamentarischen Propheten Elias vor, dem er sein zweites Oratorium widmete. Was er seinem Titelhelden mitgab, das erwarteten die Zeitgenossen vom Komponisten selbst und seiner persönlichen, gleichermaßen geschmeidigen wie hochdramatischen Tonsprache: Ein Neuerer der geistlichen Tonkunst zu sein und das elende »Tönegetändel« der namenlosen Zeitgenossen abzustellen. Mendelssohn erfüllte die Erwartungen: Mit dem »Elias« schuf er das romantische Vorzeigeexemplar der Gattung.

Im Rückgriff auf die Leipziger Bach- und englische Händel- und Haydn-Tradition huldigte er dem Zeitgeschmack. Eine alttestamentarische Geschichte sollte es sein. Elias' Kampf gegen das gottlose „Hof- und Volksgesindel“, das den Baal-Priestern nachläuft statt Jehova anzurufen. Mitreißende Szenarien wie Regenwunder und Feuerprobe, grausame Bestrafung der Baal-Priester, ein dankbar-undankbares Volk, dem allerhand Strafen auferlegt werden, Krisis und Erlösung des Propheten mit grandiosem Himmelsritt - dies alles hat der Komponist spannungsreich umgesetzt. Mendelssohns meisterliche Beherrschung der Instrumentation, verbunden mit seiner Gabe, mitreißende Chorpartien zu schreiben, macht den »Elias« zu seinem besten Oratorium und zu einem Highlight dieser Gattung.


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Pressestimmen

Donnerbrausen und Engelsgesang

Bachchor Heidelberg sang "Elias" in der Peterskirche

"Der gelegentliche Vorwurf, hier sei mehr Oper im Spiel als Kirchenmusik, scheint aus der Sicht des 19. Jahrhunderts zwar berechtigt, aber ohne Mendelssohns geniale Oratorien "Paulus" und "Elias" wäre die Gattung des musikalischen Bibeldramas wohl mit Händel ausgestorben. So aber liegen Dramatik und Kitsch, Donnerbrausen und Engelsgesang in Felix Mendelssohn Bartholdys "Elias" musikalisch besonders eng beieinander. Der Heidelberger Bachchor unter der Leitung von KMD Christian Kabitz wusste beim jetzigen Konzert in der Peterskirche alle Register zu ziehen und dieses Werk in seinen vielen theatralischen Schattierungen detailliert auszubreiten. Das Philharmonische Orchester und die sechs Solisten trugen das ihrige zum Gelingen der Aufführung bei.
Dabei wurde der Prophet des Alten Testaments von Bassbariton Johannes Martin Kränzle sängerisch eher lyrisch gestaltet, auch wenn es ihm an Kraft und Wucht nicht mangelte. Seine "Es ist genug"-Arie war einer der Höhepunkte der Aufführung. Energisch konnte auch die Sopranistin Regine Sturm auftreten, aber ihre Stärke ist der lyrisch gerundete Ton, der bis in die Höhen fein ziseliert ist. Die Altistin Nicole Pieper gewann mit dunkler Färbung und packender Dramatik (etwa als Königin), und der Tenor Christian Zenker hatte keine Mühe, geschmeidig und leicht die Höhen zu gestalten. Weitere Solisten in kleinen Rollen waren ein Sopranist der Würzburger Domsingknaben sowie die Sopranistin Carola Keil, die das Vokalensemble ausgezeichnet ergänzten.
Der Bachchor zeigte sich in allen Stimmern kräftemäßig ausgeglichen und sicher. Insgesamt wurde ausgezeichnet artikuliert, so dass man auch in einiger Entfernung noch fast jedes Wort gut verstehen konnte. Die Frauenstimmen gewannen mit dem A-cappella-Satz "Hebe deine Augen auf" alle Herzen im Sturm für sich.
Das Orchester war gut disponiert und glänzte mit Soli von Cello, Oboe und einer donnernden Pauke bei der Anrufung Baals durch die Heiden. Christian Kabitz lenkte souverän durch die Partitur und arbeitete sowohl die dramatischen Szenen wie auch die zurückgenommenen, eher sanften Chorsätze heraus, die die Geschichte aus dem Alten Testament deutlich mit dem Trost des Neuen Testaments verbinden."

Von Matthias Roth, Rhein-Neckar-Zeitung, 21. Oktober 2014

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Pressestimmen

Mendelssohns Elias eröffnet die Bachchor-Konzerte Heidelberg 2014

Der Bachchor Heidelberg eröffnete mit Felix Mendelssohns Oratorium Elias seine diesjährige Konzertreihe. Der Chor, unter der Leitung von Christian Kabitz, setzt mit den Bachchor-Konzerten die langjährige Kooperation mit dem Philharmonischen Orchester Heidelberg fort. Als Solisten traten die Sopranistin Regine Sturm, die Altistin Nicole Pieper, der Tenor Christian Zenker sowie, in der Rolle des Elias, der Bassbariton Johannes Martin Kränzle auf.

Mendelssohns auf dem alttestamentarischen Buch basierender Elias entstand 1846 und erlebt seit seiner Uraufführung eine ungebrochene Erfolgsgeschichte. Das Oratorium zählt zu Mendelssohns bekanntesten Werken und lebt von der dramatisch-theatralischen Gegenüberstellung des vom Propheten Elias verfochtenen monotheistischen christlichen Glaubens mit dem heidnischen Polytheismus. Schon im Prolog, der ungewöhnlicherweise der Ouvertüre des Oratoriums vorangestellt ist, wird dieser Gegensatz greifbar. Kränzle sang den aufsteigenden, Dreieinigkeit symbolisierenden Dreiklang auf "So war der Herr" in sanfter, leiser tiefer Lage und vollzog mit seiner Stimme die dramatische Gegenüberstellung zu den fallenden, dissonanten Tritoni im Forte auf der Androhung der göttlichen Strafe einer Dürre: es "soll weder Thau noch Regen kommen". Als Elias beeindruckte Kränzle während des gesamten Oratoriums durch die Ausdrucksweite seiner Stimme, mit der er gleich zu Anfang die Grundproblematik des Werkes verdeutlichte.

In der Folge wird im Oratorium von der einsetzenden Dürreperiode und von dem Schutz Gottes, unter dem Elias steht, berichtet, bevor die Widererweckung eines verstorbenen Knaben in den Vordergrund rückt. Besonders beeindruckend interpretierte der Bachchor die sich anschließenden Bekehrungsversuche Elias. Ein Opfermahl für Baal und für den christlichen Gott dient Elias als Beweis des rechten Glaubens. "Baal, erhöre uns!", skandierte der Chor in mächtigen, rhythmisch präzisen Rufen. Erstmals waren dabei Chor und Orchester klanglich ausgewogen. Leider gelang es dem Heidelberger Philharmonischen Orchester vor allem im ersten Teil selten, zu einem stimmigen Gesamtklang mit dem Chor und den Solisten zu finden. Auch die Solisten kämpften deutlich hörbar gegen den massiven Orchesterklang an, der sich den akustischen Gegebenheiten der Peterskirche nicht anpasste und dadurch bisweilen unpräzise und wuchtig wirkte.

Nichtsdestoweniger entwickelte sich diese Opferszene zu einem der Höhepunkte des Abends. Auf die Rufe der Propheten Baal antwortete Solist Kränzle mit deutlicher Ironie in der Stimme "Rufet lauter". Es war einer der Momente des Konzerts, in dem die Vielseitigkeit der Stimme des Bassbaritons deutlich wurde. Seine Ironie stachelte die Propheten Baals zu inständigen "Baal"-Rufen an, begleitet vom mächtigen von Pauken und tiefem Blech dominierten Orchester. „Gib uns Antwort,“ deklamierten die Sänger hörbar verzweifelt, gefolgt von Generalpausen, die die Dramatik der Szenerie eindrucksvoll verstärkten. Die hohe und anspruchsvolle Singpartie des Knaben, der vom Ende der Dürreperiode nach der Bekehrung der Heiden kündet, übernahm ein Würzburger Domsingknabe. Mit der Reinheit und Klarheit seiner Stimme schuf er eine besondere Atmosphäre und verlieh diesem Wendepunkt der Handlung in der von Gottes Gnaden "der Himmel schwarz [wird]" eine engelsgleiche Klangfarbe .

Der zweite Teil des Oratoriums, der sich auf Elias Prophezeiungen gegen den heidnischen König Ahab, auf die die Königin mit dem Aufruf zur Tötung Elias reagiert, konzentriert, erreichte eine viel bessere Balance zwischen Sängern und Orchester. Dennoch litt bisweilen die Textverständlichkeit unter dem immer noch zu stark im Vordergrund stehenden Orchesterklang. Nicole Pieper in der Rolle der Königin sang die Anklage gegen Elias mit weicher, klarer Stimme, die sich ausdrucksstark und dramatisch bis zum Ruf "Tötet ihn" steigerte. Elias resigniert – "Es ist genug!" sang Kränzle ruhig, drückte mit ergreifender Wucht seine Ergebenheit aus. Guillaume Artus am Violoncello beantwortete mit seiner gefühlvoll ausphrasierten Melodie den Gesang Kränzles, bis die Arie gemeinsam mit dem Orchester einen dramatischen Abschluss fand.

Elias fährt schließlich auf in den Himmel, während in Aussicht auf das neutestamentliche Geschehen der Messias angekündigt wird. Christian Zenker, der während des gesamten Konzertes mit einem sanften, ausdrucksstarken Tenor überzeugte, besang das kommende Licht, während die Sopranistin das Leben des Elias in einer anspruchsvollen Arie reflektierte. Bis auf gelegentliche intonatorische Schwächen zeigte die Sopranistin Regine Sturm mit ihrer reinen, mit angehemem Vibrato versehenen Stimme in diesem Konzert eine außerordentliche Leistung. Im Schlusschor wurde die Herrlichkeit Gottes in einer fulminanten Steigerung besungen. Die skandierten Rufe „Herr unser Herrscher!“ und das „Amen“ beschlossen schließlich dieses eindrucksvolle Oratorium.

Der Chor drückte die Theatralik des Werkes, den Widerstreit zwischen Christentum und Heidentum, die Kontrastierung musikalisch ruhiger und sich bis in den vollen Orchester- und Chorklang steigernder Passagen, die diesen Widerstreit symbolisieren, auf sehr gute, ansprechende Weise aus. Trotz der klanglichen Unausgewogenheit mit dem Orchester gelang dem Bachchor so ein eindrucksvolles Konzert, das vom Publikum mit stehenden Ovationen belohnt wurde."

Von Christine Roth, bachtrack.com, 20. Oktober 2014

>> Link zur Kritik auf bachtrack.com