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4. Bachchor-Konzert 2011/12

Sa 16.06.2012 | 20.00 Uhr | Peterskirche Heidelberg  Perterskirche Heidelberg (Foto Raphael Roesler)

 

Franz Schubert: Stabat Mater f-Moll D 383

Joseph Haydn: Missa in angustiis »Nelsonmesse« d-Moll Hob. XXII:11

 

Sopran Sybille Witkowski
Mezzosopran Judith Beifuß
Tenor Namwon Huh
Bariton Haris Andrianos

Dirigent Ivo Hentschel
Bachchor Heidelberg
Philharmonisches Orchester Heidelberg

Haydns große Messe in D trägt den Zusatz „Missa in angustiis“ – eine Messe für Zeiten der Bedrängnis. Es waren die Jahre der napoleonischen Kriege, deren Auswirkungen man bis ins kleine Eisenstadt spüren konnte. Übrigens ist dies die einzige Ordinariums-Komposition Haydns in einer Moll-Tonart! Ihren heute gebräuchlichen Untertitel „Nelson-Messe“ trägt sie vermutlich, weil Lord Horatio Nelson, der die französische Flotte bei Abukir vernichtend geschlagen hatte, bei seiner Rückkehr 1798 in Schloss Esterhaza dem Fürsten Nikolaus einen Besuch abstattete – bei dieser Gelegenheit erklang Haydns Komposition. Das militärische Flair in dieser Messe ist bestimmt dem hohen Gast geschuldet und erinnert mit markanten Trompeten- und Paukensignalen immer wieder an kriegerische Zeiten.   

Unter Schuberts 55 kirchenmusikalischen Kompositionen finden wir – abgesehen von den beiden großen späten Messen in Es und As – fast ausschließlich kleinere Werke. Er, der selbst noch als Chorknabe in der Hofmusik Wiens unter Antonio Salieri gesungen hatte, fühlte sich zeitlebens der geistlichen Musik verpflichtet; stets wollte er aus eigener tiefer Frömmigkeit Musik schreiben, die „alle Gemüter ergreift und zur Andacht stimmt“ Sein „Stabat Mater“, das im Titel noch die lateinische Sequenz führt, beruht aber tatsächlich auf einer von Klopstock eingedeutschen Fassung dieses alten Versgedichtes, das Schubert in teils schlichten, teils kontrapunktisch äußerst anspruchsvollen Chor- und Solonummern vertont hat.

Pressestimmen

Romantischer Jugendschimmer
Bachchor Heidelberg unter Ivo Hentschel in der Peterskirche

Auch von Franz Schubert gibt es Raritäten, die man für gewöhnlich kaum zu hören bekommt. Etwa sein „Stabat mater“ f-Moll, D 383, eine große Komposition für Soli, Chor und Orchester. Beim jüngsten Konzert des Bachchors Heidelberg in der Peterskirche konnte man das Werk kennen lernen: eine Musik, die Schubert als Neunzehnjähriger schrieb, dabei die großen klassischen Vorbilder nicht scheute und doch schon eigene Ausblicke in die Romantik unternahm.
DerBeginn dieser zwölfsätzigen Klopstock-Vertonung offenbart eine auffallende Nähe zum Beginn des Mozart-Requiems, und des weiteren gibt es Arien, Duette und Chöre, die sich stilistisch an Haydns Oratorien orientieren. In jedem Falle beweist der junge Schubert große Kunstfertigkeit und stilistische Variabilität in seiner Komposition, und nicht nur bei erbaulichen Chorfugen zeigt er, was er kann und dass er den klassischen Stil bestens beherrscht.
Eigenständigkeit und Inspiration eröffnet er im Chor „Wer wird Zähren sanften Mitleids“, in geheimnisvoll flutenden Wechselgesängen von Männer- und Frauenchor, in tiefromantischer Emphase, von apartem Hörnerklang stimmungsvoll begleitet. Daneben findet sich hier auch der lichte, liebliche Singspiel-Tonfall, den man aus Schuberts Opernfragmenten kennt.
Der Bachchor entwickelte schönste Emphase. Dirigent Ivo Hentschel vom Heidelberger Theater ließ die Heidelberger Philharmoniker straff und schlank musizieren. Opernhaft expressive Gestaltung brachten die Gesangssolisten hinein. Junge Stimmen, die diesem Werk ebenso viel Glanz und Ausdruck gaben wie Haydns „Nelson-Messe“ danach.  Hentschel leitete eine Aufführung, die an Dramatik und elementarer Kraft nichts zu wünschen übrig ließ. Große Leidenschaftlichkeit erhielt das Gloria, und das „Credo“ gewann Kontrastreichtum zwischen innig Kontemplativem und strahlendem Auferstehungsjubel.
Flammende Begeisterung gab der Bachchor dieser Aufführung, sang mit stürmischem Elan und virtuosem Siegesjubel.  Virtuos und klangstark gestalteten die Solisten Sybille Witkowski (Sopran), Judith Beifuß (Mezzosopran), Namwon Huh (Tenor) und Haris Andrianos (Bariton). Die Heidelberger Philharmoniker musizierten ebenso kompakt wie schwungvoll.

Rainer Köhl, RNZ, 20.06.2012