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1. Bachchor-Konzert 2010/2011

Sonntag, 17.10.2010 20.00 Uhr Peterskirche Heidelberg

 

ARVO PÄRTBachchor Heidelberg 2009

IN PRINCIPIO
für Chor und Orchester

DE PROFUNDIS
für Männerchor und Kammerorchester

DA PACEM DOMINE
für Chor und Streichorchester

MEIN WEG
für 14 Streicher und Schlagzeug

LITANY
für Soli, gemischten Chor und Orchester

De Flanders Vocal Quartet

Dirigent Christian Kabitz
Heidelberger Bachchor
Philharmonisches Orchester Heidelberg

 

Er ist einer der bedeutendsten lebenden Komponisten überhaupt und soll im 1. BACHCHORKONZERT umfassend gewürdigt werden: der Este Arvo Pärt, der 2010 seinen 75. Geburtstag feiert.
„Tintinnabuli“ (lat. Glocke) nannte er in den späten 1970er Jahren seinen neu entwickelten Kompositionsstil, der mittels extremer Reduktion auf das Wesentliche Ruhe, Ästhetik und Spiritualität erzeugt.

Unter der Leitung von Christian Kabitz erklingen Werke vom 1980 entstandenen DE PROFUNIS bis zu DA PACEM DOMINE, das 2004 als ergreifende Komposition in der Verarbeitung der Madrider U-Bahn-Attentate entstand.

 

PRESSESPIEGEL:

 

Stille ist der Grund der Musik
Der Heidelberger Bachchor sang in der Peterskirche Werke von Arvo Pärt
aus Anlass seines 75. Geburtstags

Nein, seine Musik ist keine monumentale Klangskulptur, die in die Stille aufragt, erhaben und eminent wuchtig, wie beispielsweise das „Dies Irae“ aus Verdis „Requiem“. Ein unaufhaltsamer Abschied vom musikalischen Materialismus steht mit Arvo Pärts vokalen Sakralwerken an. Reduktion der Klangfülle, Konzentration auf den einzelnen Ton, unendlich kostbar.
Ein Ton: Das kann eine ganze Welt sein. Für den 1935 im estnischen Paide geborenen Komponisten Pärt ist er das – und noch mehr. Ein Ton ist der Übergang in die Stille, ins Nichts, das im Verhallen und Verklingen des Klanges hörbar wird. Wie ein kunstsinniges Aquarell malt der stark religiös orientierte Komponist seine seit dem „Credo“ von 1968 immer eindeutiger geistlich gefärbte Musik.
Beeinflusst von gregorianischen Chorälen, den Kirchenmodi des Mittelalters und der Renaissancemusik ist der diesjährige Jubilar beständig auf der Suche nach dem „kosmischen Geheimnis“ der Musik, und das offenbart sich in der Transparenz der Klänge, die transparent sind wie eine Wasserfarbe.

Arvo PärtWer in der Heidelberger Peterskirche beim Jubiläumskonzert des Bachchors aus Anlass des 75. Geburtstag des großen Esten zugegen war, konnte dieses Prinzip vor allem in seiner „Litany. Gebete des heiligen Johannes Chrysostomos für jede Stunde des Tages und der Nacht“ verwirklicht sehen, wo nacheinander die allesamt ausgezeichnet klaren Stimmen des Countertenors (Patrick van Goethem), des ersten Tenors (Ludwig van Gijsegem), des zweiten Tenors (Bartholomeus de Kegel) und des Bariton (Joris Derder) vom „Flanders Baroque Vocal Consort“ an- und wieder abschwollen und im Verklingen ihrer Soli dem Chor und dem Orchester Raum zur Entfaltung gaben.
Freilich, auch Raum, sich zu entziehen, war gegeben, den der Bachchor Heidelberg und das Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg unter der Leitung von Christian Kabitz sensibel ausmusizierten. Vielleicht ist nichts schwieriger, als leise und langsam an der Grenze zur Stille zu musizieren. Ähnlich in „Da pacem domine“, das ganz in dynamischen Wellen gewebt zu sein schien. Eindrucksvoll geriet aber auch das aus den Tiefen der Erde sich sonor erhebende „De profundis“ mit dezentem Schlagwerk der kleinen Glöckchen, das durch einen letzten Glockenschlag die sattsamen Polyphonien beendete.

Das Prinzip des kleinen Glöckchens, des „tintinnabulum“ war hier gegenwärtig, das Pärt auch in die grandiose Textur seiner Vertonung von Johannes 1,1-4, „In principio“ aufgenommen hatte. Sirrend und flirrend ergossen sich hier die wallenden Tonfluten über die Hörer, immer wieder von Schlagwerk unterbrochen.
Pärt ist Schöpfer einer musikalischen Syntax, die zu den Ursprüngen zurückkehrt und doch reicher als diese zu sein scheint.


RHEIN-NECKAR-ZEITUNG, 19.10.10, Astrid Mader