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3. Bachchor-Konzert 2007/2008

Sonntag, 16.03.2008 20.00 Uhr Peterskirche Heidelberg

 

Sonja Koppelhuber

 

Johann Sebastian Bach

Matthäus-Passion BWV 244

 

Maren Roederer Sopran - Sonja Koppelhuber Alt

Michael Nowak Tenor - Christian Heidecker Tenor

Timothy Sharp Bass - Jens Hamann Bass

 

Cembalo & Dirigent Christian Kabitz

Philharmonisches Orchester Heidelberg

 

Man schrieb das Jahr 1894, als der Bachverein Heidelberg erstmals die Bachsche Matthäus-Passion in der Peterskirche aufführte – ein denkwürdiger Tag nicht nur für den Chor und seinen Leiter Philipp Wolfrum, sondern für die ganze Stadt Heidelberg, begann doch mit dieser Aufführung eine Tradition, die seitdem fast ungebrochen über mehr als 110 Jahre andauert.

Tradition kann Aufbewahrung der Asche oder Erhaltung der Glut eines Feuers sein – der Bachchor und sein künstlerischer Leiter Christian Kabitz haben in den letzten Jahren immer wieder bewiesen, dass sie um die Glut, die Intensität des Bachschen Musizierens wissen und und Tradition immer wieder neu mit Leben erfüllen wollen.

 

PRESSESPIEGEL:

Wie ein prachtvoller Goldrahmen wölbte sich der große Eingangschor „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen“ bei der Aufführung von Bachs „Matthäuspassion“ in der Peterskirche auf zu großer Leuchtkraft. Ein reich geschmücktes Portal tat sich hierbei auf in der Wiedergabe mit dem Bachchor Heidelberg unter der Leitung von Christian Kabitz. In dessen Folge inszenierte der Leiter des Bachchors ein ungeheuer packendes Drama von biblischer Wucht.

Dabei setzte Kabitz keineswegs auf einen klanglichen Monumentalstil: Das Klangbild im Orchester und im großbesetzten Bachchor war sicher volumenreich, aber nie romantisch vernebelt, sondern transparent und klar fokussiert. Zügige Tempi wählte Kabitz, zog hinein in ein atemlos durchzeichnetes Passionsgeschehen von höchster emotionaler und klanglicher Kraft. Von stärksten Leidenschaften waren die Arien und Chöre durchdrungen, ohne opernhaft zu wirken.

Zusammen mit dem bestens disponierten Philharmonischen Orchester der Stadt Heidelberg und dem Bachchor setzte Kabitz auf eine mitreißende Klangkraft. Überaus differenziert tönten die Chöre und Choräle, erst recht durch die häufigen Dynamikwechsel, die größte Lebendigkeit und Plastizität in die Aufführung brachten. In rasanten Schwung wurden die Turbae gebracht. Wie mit dicken Ausrufezeichen versehen, ertönte jede Silbe im Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“, während der zweite Teil in unerhörter Zartheit dahinschwebte. In reichen Abstufungen von Dynamik und Ausdruck ertönten die meisten Chornummern. Zur großen, klangmächtigen Klage gesteigert wurde der Schlusschor „Wir setzen uns mit Tränen nieder“.

An der starken Dramatik dieser Aufführung hatten die die exzellenten Gesangssolisten ihren reichen Anteil. Vor allem die wunderbare Altistin Sonja Kuppelhuber, die mit volumenreich glühendem Organ große Leidenschaftlichkeit in ihre Arien brachte: in das von einem innigen Violinsolo begleiteten „Erbarme dich“ und noch mehr in das Rezitativ „Erbarm es Gott!“, als sie mit flammenden Kassandrarufen den geißelnden Henkern Einhalt gebieten wollte. Höchst passioniert gestaltete Michael Nowak die Evangelistenpartie, machte die Erregung der Geschichte sehr plastisch deutlich, ohne an stilvoller Tonschönheit einzubüßen. Christian Heidecker formte die Tenorarien geschmeidig expressiv  und angenehm gefärbt.

Zart und sehr natürlich sang Maren Christina Roederer die Sopranarien: in der Höhe hübsch gefärbt, in der Mittellage etwas schwach ausgebildet. Jens Hamann wusste in den Bass-Arien warmes Balsam und sonore Würze mit großem Ausdruck überaus eindrucksvoll zu verbinden. Timothy Sharp brachte in der Jesus-Partie mit schlankem, sonorem Bariton eine große Herrlichkeit und Insistenz in Klang und Ausdruck zu prachterfülltem Strahlen. Dabei tönte ein Gotteszorn von biblischem Ausmaß.

(Rainer Köhl, Rhein-Neckar-Zeitung, 19.03.08)