Festkonzert - Bachchorkonzert

Sonntag, 16. Mai 2010 18 Uhr Peterskirche Heidelberg

 

FestkonzertAnno Schreier
Er ist nicht
für Mezzosopran, Chor und Orchester
Uraufführung

Johann Sebastian Bach
Hohe Messe h-Moll
BWV 232
für Soli, Chor, drei Trompeten, Pauke, zwei Flöten, drei Oboen, Horn, zwei Fagotte, Streicher und Continuo

Maria Bernius, Sopran
Bettina Ranch, Alt
Matthias Platz, Tenor
Gotthold Schwarz, Bass

Der Bachchor Heidelberg
Das Philharmonische Orchester Heidelberg

Leitung: Christian Kabitz

Anno Schreier: „Er ist nicht“
Darum gebeten, für das Jubiläumskonzert des Bachchores ein kurzes „Vorspiel“ zu Bachs h-Moll-Messe zu komponieren, fiel mir schon nach kurzem Nachdenken ein Text von Jean Paul ein, den ich seit langem sehr bewundere: die „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei.“ Jean Paul beschäftigt sich in diesem Text mit der christlichen Gottesvorstellung und der Frage nach dem Leben im Jenseits. In einem ungeheuer bilderreichen Szenario läßt er Christus selbst auftreten und in seiner Rede an die Toten einen niederschmetternden Bericht erstatten: Es gibt keinen Gott, das Weltall ist leer, alles Wesen ist nur ein Trugbild, ein Regenbogen „ohne eine Sonne, die ihn schuf“.
Die geradezu kosmische Bilderflut, die Jean Paul in seinem Text entfesselt, hat beim Lesen immer schon Musik in mir ausgelöst, und die Versuchung war groß, diesen Text als Vorlage für ein Stück zu nehmen.  Ich stieß jedoch bald auf Schwierigkeiten: Erstens merkte ich, daß Jean Pauls Prosa eigentlich schon „Musik“ ist, sie schien sich zunächst vehement gegen eine Vertonung zu wehren. Zweitens fiel es sehr schwer, nur einige wenige Zeilen aus dem gewaltig komplexen und dichten Text auswählen - es sollte ja schließlich ein kurzes Stück werden.  Ich denke, ich habe schließlich einen Weg gefunden, auf – hoffentlich – wirkungsvolle Weise ein kleines Fragezeichen vor Bachs gigantische h-Moll-Messe zu setzen. Die Antwort darauf muß dann jedem Einzelnen selbst überlassen bleiben.
Der Philosoph Odo Marquard antwortete einmal auf die Frage, ob er an ein Leben nach dem Tod glaube: „Wenn es der liebe Gott mit mir gut hält, dann wird er mir vielleicht die Auferweckung im Jenseits ersparen – er wird mich schlafen lassen.“

Text:
Ich ging durch die Welten, ich stieg in die Sonnen und flog mit den
Milchstraßen durch die Wüsten des Himmels; aber es ist kein Gott. Ich
stieg herab, soweit das Sein seine Schatten wirft, und schauete in den
Abgrund und rief: ›Vater, wo bist du?‹ aber ich hörte nur den ewigen
Sturm, den niemand regiert, und der schimmernde Regenbogen aus
Wesen stand ohne eine Sonne, die ihn schuf, über dem Abgrunde und
tropfte hinunter. [...] und die Ewigkeit lag auf dem Chaos und zernagte
es und wiederkäuete sich. - Schreiet fort, Mißtöne, zerschreiet die Schatten;
denn Er ist nicht!
[...]

Wenn der Jammervolle sich mit wundem Rücken in die Erde legt, um
einem schönern Morgen voll Wahrheit, voll Tugend und Freude entgegenzuschlummern:
so erwacht er im stürmischen Chaos, in der ewigen
Mitternacht - und es kommt kein Morgen und keine heilende Hand und
kein unendlicher Vater! - Sterblicher neben mir, wenn du noch lebest, so
bete Ihn an: sonst hast du Ihn auf ewig verloren.

(aus: Jean Paul: „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei“, 1. Blumenstück aus dem Roman „Siebenkäs“, erschienen 1796/97)



Die Entstehungsgeschichte der h-Moll-Messe ist zwar in allen Einzelheiten überliefert, dennoch hat sie zu mancherlei musikwissenschaftlichen Forschungen und Spekulationen geführt. Sie hat als Extrem 1954 sogar einen Band der Neuen Bach-Gesamtausgabe hervorgebracht, der das Werk nicht mehr „h-Moll-Messe“ nennt. Aufgrund seiner Forschungen war der Herausgeber Friedrich Smend nämlich zu dem Ergebnis gekommen, dass die einzelnen Teile der Messe mehr oder weniger zufällig in einem Sammelband zusammengefasst worden waren und dass kein zyklischer Zusammenhang bestehe.
In der Tat stellte Bach in den Jahren 1748 und 1749 erst aus mehreren Kompositionen die h-Moll-Messe zusammen, die ihren Namen jedoch nicht vom Komponisten, sondern erst nachträglich im 19. Jahrhundert erhielt. In Bachs Partitur ist nur der erste Teil (Kyrie und Gloria) mit „Missa“ überschrieben. Das Ganze wurde von Bach also ungewöhnlicherweise in vier Teilen zusammengefasst, abweichend von der üblichen katholischen Fünfteiligkeit. Darüber hinaus gibt es auch zwei (unbedeutende) textliche Abweichungen gegenüber dem katholischen Ordinarium Missae, das eben aus den fünf festliegenden Teilen der Messliturgie besteht.

H-moll Messe mit dem Bachchor Heidelberg

Dem gegenüber ist der erste, von Bach als „Missa“ bezeichnete und zunächst 1733 separat komponierte Abschnitt eine sogenannte Missa brevis, wie sie ihren Platz im katholischen Gottesdienst hatte. Trotzdem sollte man nun nicht von einer „lutherischen Messe“ sprechen, denn derartige musikalische Kurzmessen, aus Kyrie und Gloria bestehend, wurden seinerzeit auch im katholischen Gottesdienst aufgeführt (nicht zu verwechseln mit der vollständigen, aber wegen ihrer gedrängtkonzentrierten musikalischen Ausführung ebenfalls als Missa brevis bezeichneten Version).
Dieser erste Teil der h-Moll-Messe entstand 1733 sozusagen umständehalber:
Nach dem Tod Augusts des Starken gab es in Sachsen eine fünfmonatige Staatstrauer, während der alle Musik zu schweigen hatte. Bach nutzte diese Zeit zur Komposition von Kyrie und Gloria und dezidierte einen äußerst sorgfältig bezeichneten Stimmensatz an den Nachfolger Augusts, Friedrich August, in der Hoffnung auf ein würdiges Amt bei Hofe. Hierzu kam es aus mancherlei äußeren Gründen jedoch erst drei Jahre später mit der Verleihung des Titels eines „Hofcompositeurs“. Ob dieser Stimmensatz jemals zu einer Aufführung (in Dresden?) gedient hat, ist bis heute ungeklärt.
1740 arbeitete Bach dann drei Sätze aus dem Gloria zu einer lateinischen Weihnachtskantate (BWV 191) um, und erst in den Jahren 1748 und 49 nahm er ohne erkennbaren äußeren Anlass die Komplettierung des Werkes zum Typus der großen Missa solemnis vor. Dabei ging er in bewährter Weise, ähnlich wie beim „Weihnachtsoratorium“, vor, indem er einige Sätze neu komponierte und einen größeren Anteil als „Parodie“ älteren Kompositionen entnahm und sie dabei mehr oder weniger gründlich überarbeitete. Die früheste Originalkomposition ist das Sanctus aus dem Jahr 1724; von den übrigen Teilen sind nach dem heutigen Stand der Forschung weniger als ein Drittel keine Parodien, allerdings kennt man von diesen Parodien noch längst nicht alle Vorlagen (als „Parodie“ bezeichnet man Eigen- oder Fremdbearbeitungen vorhandener Kompositionen).

Jubiläum in der Peterskirche HeidelbergMan geht sicher nicht fehl, wenn man in Bachs abrundender Arbeit an der Messe in seinen letzten Lebensjahren weniger äußerliche Anlässe als vielmehr künstlerisches Gestaltungsbedürfnis vernutet, mit der Absicht, auch in dieser musikalischen Gattung ein „opus summum“ vorzulegen, vergleichbar mit den anderen späten Zyklen, der „Kunst der Fuge“ oder dem „Musikalischen Opfer“. Dass Bach wirklich an einen geschlossenen Messezyklus gedacht haben muss, lässt sich – neben der Tonartenfolge – vor allem auch an kompositorischen Einzelheiten ablesen, so z. B. an manchen genau auf einander abgestimmten Satzübergängen oder am bewussten Rückgriff auf das Gratias agimus (aus dem Gloria) für das Dona nobis pacem. Formal entspricht die h-Moll-Messe dem Typus der Kantatenmesse, die in Arien – bei Bach die Sammelbezeichnung für alle Solonummern, also auch für Duette – und Chorsätze gegliedert ist, jedoch keine Rezitative enthält.

Da nach neueren Forschungsergebnissen die „Kunst der Fuge“ nicht mehr unmittelbar vor Bachs Tod entstanden ist, sondern in großen Teilen bereits zwischen 1742 und 1746, ist die h-Moll-Messe als sein eigentliches Vermächtnis anzusehen, sein letztes großes Werk. Dieser Einschätzung steht keinesfalls entgegen, dass er bei einer abschließenden Arbeit an der Messe 1748/49 neben Neukompositionen auch eine Vielzahl mehr oder weniger weit zurück liegender Sätze einbezog. Vielmehr ist es eine geradezu frappierende und imponierende Tatsache, das sich solcherart frühere und spätere Teile völlig bruchlos aneinander fügen und zum Teil sogar unmittelbar nebeneinander (be)stehen können. Für den Charakter eines in die Zukunft weisenden musikalischen Vermächtnisses, also ohne den allzu großen Alltagsbezug einer eventuell geplanten Aufführung, spricht auch die umfassende, sozusagen konfessionsübergreifende Werkanlage. In ihren Dimensionen, den hohen kompositorischen und interpretatorischen Ansprüchen, der geistigen und emotionalen Tiefe ist die h-Moll-Messe nur noch der „Missa Solemnis“ Ludwig van Beethovens vergleichbar, die sich erkennbar am überragenden Vorbild Bachs misst.  (Leicht verändert übernommen aus: Arnold Werner-Jensen, Johann Sebastian Bach, Band 2, Vokalmusik, Reclams Musikführer, Stuttgart 1993, vergr.)

Fotos von Proben und Konzert (zum Vergrößern bitte anklicken)

 
 
 


PRESSESTIMMEN:

Kein bisschen altersmüde
125 Jahre Heidelberger Bachchor: Schreier-Uraufführung und h-moll-Messe in der Peterskirche


Eine eigene Komposition zum Jubiläum: Davon träumt mancher Chor und fürchtet sich zugleich davor. Denn neuen Werken eilt häufig der Ruf von möglicherweise unüberwindlichen sängerischen Schwierigkeiten voraus. Der „Komponist für Heidelberg 2009/10“, Anno Schreier, der den Auftrag erhielt, zum 125-jährigen Bestehen des Heidelberger Bachchors ein Werk zu schreiben, war sich dieser Problematik voll bewusst.

Der 1979 geborene Schüler von Manfred Trojahn und Hans-Jürgen von Bose wählte eine kompositorische Strategie, die den Erfordernissen und Möglichkeiten einer solchen Aufgabe gerecht wurde und verleugnete dabei weder seine Ambition, ein Stück in zeitgemäßer Tonsprache zu verfertigen, noch die ausführenden Laienchoristen damit zu überfordern.  „Er ist nicht“ ist ein Werk für Mezzosopran und Orchester sowie einen Chor, der mehr als Klangfarbe hinzutritt denn als eigenständiger Klangkörper.
Die musikalische Hauptlast trägt die Solistin, die den in sich schon ausdrucksstarken Text – Auszüge aus Jean Pauls „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab“ – durch ihre Stimme überhöhen muss. Bettina Ranch hat dies bei der jetzigen Uraufführung hervorragend getan und dabei keine Nuance der Komposition unterschlagen. Das Orchester stürmte und rauschte dazu und war auch manchmal recht laut. Erst im zweiten Teil wurde es sanfter, kamen die Qualitäten der Solostimme stärker zum Ausdruck.
Der Chor, wie gesagt, gibt nur ein paar atmosphärische Klänge hinzu, ruft „Vater!“ oder singt auf Vokalen.
Eigentlich ist er damit auch ein bisschen unterfordert.

Denn Bachs h-moll-Messe, die diesem Werk folgte (es ist als Präludium zu dieser gedacht), ist auch kein leicht zu singendes Stück. Und wer etwa die dichte Kontrapunktik des „Et incarnatus est“ oder des „Crucifixus“ derart expressiv zu meistern versteht, dem kann man eigentlich auch in moderner Musiksprache etwas mehr zutrauen.  Der langjährige Leiter des Heidelberger Bachchors, Christian Kabitz, hatte die Sängerinnen und Sänger gut vorbereitet und führte mit deutlicher Zeichengebung sowohl durch Anno Schreiers Werk wie auch durch die große Kirchenkomposition Bachs. Es gelang eine beeindruckende Aufführung, die sowohl die romantische Tradition des Chores als auch die heutige Informiertheit in der barocken Musiksprache – vor allem im Tempo – berücksichtigte, letztlich aber ein ganz eigenständiges Bachbild präsentierte.  Vor allem zeigte sich der Bachchor dabei kein bisschen altersmüde, auch wenn die Tenöre sicher ein wenig Verstärkung gebrauchen könnten.
Auch die übrigen Vokalsolisten fügten sich in dieses Konzept: Maria Bernius mit lyrischem Sopran, Matthias Platz mit ausnehmend leichtem Tenor und Gotthold Schwarz, dem die Baritonlage wohl insgesamt angenehmer war als die Tiefe der ersten Bassarie, gut wortverständlich. Besonderes Ohrenmerk verdienten die Duette – nicht nur die vokalen, sondern auch die zwischen Sängern und Instrumentalsolisten, den Flöten, Oboen (Englischhorn) und dem Solohorn, vor allem aber auch der Solovioline.

Matthias Roth, RNZ, 18.05.2010

 

*   *   *

.

Beeindruckendes Fragezeichen: Zur Uraufführung von Anno Schreiers „Er ist nicht“ in Heidelberg

Es ist ein erschütternder Bericht, den der tote Christus geben muss: Es gibt keinen Gott. Das Universum ist leer, die Welt wird von niemandem regiert, es existiert kein Vater, der über seine Kinder wacht. Jean Pauls „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei“ aus seinem Roman „Siebenkäs“ ist voller verstörender Bilder. Erleichternd, dass der Erzähler dies alles nur im Traum sieht und nach dem Erwachen zum beruhigenden Glauben an Gott zurückfindet.

Auf den jungen Komponisten Anno Schreier übt Jean Pauls Text schon länger eine Faszination aus, inspiriert ihn zu Musik. Es lag daher für Schreier nahe, die „Rede des toten Christus“ als Textgrundlage für eine Auftragskomposition, die am 16. Mai 2010 in Heidelberg uraufgeführt wurde, zu nutzen. Das Werk „Er ist nicht“ für Mezzosopran, Chor und Orchester war Schreiers Beitrag als „composer in residence“ beim Philharmonischen Orchester Heidelberg zum 4. Bachchor-Konzert, das zugleich auch eines der Festkonzerte zum 125. Bestehen des Bachchores war. Die Komposition sollte ein „Vorspiel“ zu Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe bilden.

Jean Pauls Gott negierenden Text vor die Mess-Worte, vertont durch den tiefgläubigen Bach, zu stellen, ist – vorsichtig formuliert – eine interessante Wahl. Schreier, Jahrgang 1979, schreibt dazu, sein Werk solle „ein kleines Fragezeichen vor Bachs gigantische h-Moll-Messe“ setzen. Das ist, um es vorweg zu nehmen, gelungen.
Die Komposition beginnt mit Pauken und Trompeten, die allerdings nichts fürstlich-festliches an sich haben, sondern scheinbar die Apokalypse einleiten. Nahezu durchgehend ist das Stück von einer unterschwelligen Unruhe geprägt: In den tiefen Registern grummeln Tremoli. Jean Pauls Text wiederzugeben ist Aufgabe des Mezzosoprans, der Chor übernimmt die kurzen Passagen der direkten Rede, die vor allem in der anklagenden Frage „Vater, wo bist du?“ besteht. Mal nahezu gerufen, mal geflüstert, mal mit dem Orchesterklang verschmelzend durchzieht dieser Einwurf das ganze Werk.

Schreiers Vertonung folgt den kleinsten Andeutungen im Text und setzt sie in Musik um: Die Klänge ersterben bei der Textzeile „aber es ist kein Gott“, für die Zeile „Schreiet fort, Misstöne, zerschreiet die Schatten“ imitiert der Chor wortlose Schreie. An ein paar wenigen Punkten ist dieses Verfahren der Texttreue vielleicht etwas zu weit getrieben, etwa wenn „und tropfte hinunter“ mit abwärts gerichteten Skalen von Flöte und Harfe illustriert wird. Das scheint eine doch recht abgenutzte Klangmalerei, die zum Glück eine Ausnahme bleibt. Im Gedächtnis bleiben dagegen beeindruckende Klangeffekte, bei denen die Klänge des Chors, der Solistin und des Orchesters sich mischen, verschmelzen und ineinander übergehen. Dabei sei erwähnt, dass alle Beteiligten unter der Leitung von Christian Kabitz hervorragend präpariert waren. Vor allem das wunderbar dunkle, aber trotzdem strahlende Timbre der Mezzosopranistin Bettina Ranch passte perfekt zu Stück, Chor und Orchester.

Den stärksten klanglichen Eindruck hinterließ aber die Schnittstelle von neu und alt: der Übergang zu Bachs h-Moll-Messe. Der Schlussakkord von „Es ist nicht“ löst sich auf in einzelne Töne von Flöte und Trompete, die nahezu nahtlos in den ersten Akkord der Bach-Messe übergehen. Dabei nutzt Schreier die selben Akkordtöne, mit denen Bachs Kyrie beginnt und schafft so eine Verbindung zwischen beiden Klangwelten. Inhaltlich ist die Verbindung nicht weniger beeindruckend: Schreiers Textauswahl endet mit den Worten des toten Christus „Sterblicher neben mir, wenn du noch lebest, so bete Ihn an: sonst hast du Ihn auf ewig verloren“, worauf die Worte des Kyrie „Herr, erbarme dich“ folgen. Eine Kombination, die die Anrufung Gottes, der – laut Jean Pauls Text – im Höchstfall noch in der Illusion des Gebets existiert, hinterfragbar macht. Ein sehr deutliches Fragezeichen, das Schreier da vor Bachs Messe setzt – inhaltlich und musikalisch.

Das Publikum in der vollbesetzten Peterskirche in Heidelberg nahm dieses Fragezeichen positiv auf. Obwohl nach Schreiers „Er ist nicht“ noch die zwei Stunden der Bach-Messe folgten, spendete das Publikum vor allem auch dem Komponisten besonders herzlichen Beifall.

Dorothee Riemer, nmz, 22.05.2010   >> Originalbeitrag NMZ

Nach oben

Abschlusskonzert des 125-jährigen Jubiläums in der Peterskirche Heidelberg


>> UA-Rezension NMZ-Online:
Beeindruckendes Fragezeichen: Zur Uraufführung von Anno Schreiers „Er ist nicht“ in Heidelberg